Thailand: Die Auslieferung eines Montagnard-Aktivisten an Vietnam setzt ihn einer hohen Gefahr der Folter aus

Als Reaktion auf die Entscheidung, den Menschenrechtsverteidiger der indigenen Völker der Montagnards und Ede, Y Quynh Bdap, von Thailand an Vietnam auszuliefern, erklärte Chanatip Tatiyakaroonwong, Thailand-Experte bei Amnesty International:

„Dieses Urteil stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen Thailands Menschenrechtsverpflichtungen dar. Die Rückführung eines indigenen Aktivisten in ein Land, in dem Folter und Diskriminierung gegenüber den Montagnards nachweislich an der Tagesordnung sind, bringt Y Quynh Bdap in große Gefahr.

„Vietnamesische Gerichte haben eine lange Tradition darin, Aktivist*innen in Verfahren zu verurteilen, die den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren bei weitem nicht genügen. Indem Thailand Y Quynh Bdap auf der Grundlage eines Urteils, das in einem unfairen Verfahren ergangen war, genau an jene Behörden ausgeliefert hat, vor denen er geflohen war, hat es gegen einen der grundlegendsten Schutzgrundsätze des Völkerrechts verstoßen.

„Nach der Rückführung von Uiguren nach China Anfang dieses Jahres ist dies bereits das zweite Mal, dass Thailand Menschen trotz der Gefahr schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen unverhohlen in ihre Heimatländer zurückgeschickt hat – und das trotz eines innerstaatlichen Gesetzes, das Folter verbietet und dem im Jahr 2023 in Kraft getretenem Non-Refoulement-Gebot.

„Die thailändischen Behörden müssen die Sicherheit und den Schutz all jener gewährleisten, die vor Verfolgung fliehen – einschließlich indigener und religiöser Minderheiten aus Vietnam – anstatt sie einer Gefahr auszusetzen.“

Hintergrund
Am 26. November 2025 fällte das thailändische Berufungsgericht ein Urteil, mit dem die Auslieferung von Y Quynh Bdap genehmigt wurde, einem von den Vereinten Nationen anerkannten Flüchtling, der seit 2018 in Thailand lebte. Nach Angaben von Bdaps Anwälten wurde die Urteilsverkündung erst einen Tag im Voraus angesetzt. Es ist nicht genau bekannt, wann die Auslieferung stattfinden wird, sie könnte jedoch unmittelbar bevorstehen.

Bdap wurde nach Vietnam abgeschoben, obwohl seit langem Bedenken hinsichtlich der Sicherheit indigener Aktivist*innen bestehen, die dorthin zurückgeschickt werden. Er war im Juni 2024 wegen Überschreitung der Visumsdauer festgenommen worden, nachdem die vietnamesischen Behörden seine Auslieferung beantragt hatten und behaupteten, er sei Anfang des Jahres in Abwesenheit wegen Terrorismusvorwürfen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor hatte Amnesty International die thailändischen Behörden aufgefordert, Bdap aufgrund des hohen Folterrisikos nicht auszuliefern.

Bdap, ein Angehöriger der ethnischen Minderheit der Ede, ist Mitbegründer von „Montagnards Stand for Justice“, einer Organisation, die Übergriffe gegen indigene Gemeinschaften im Zentralhochland dokumentiert und sich für deren religiöse und kulturelle Rechte einsetzt. Die vietnamesischen Behörden warfen ihm und fünf weiteren Montagnards vor, an einem Angriff auf ein Regierungsgebäude in der Provinz Dak Lak im Juni 2023 beteiligt gewesen zu sein. Bdap hat diese Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Amnesty International hat wiederholt die weit verbreitete Verfolgung von Montagnard-Gemeinschaften dokumentiert, die willkürlichen Verhaftungen, Folter sowie erheblichen Einschränkungen ihrer Religionsausübung und Bewegungsfreiheit ausgesetzt sind. Nach dem Angriff in Dak Lak im Jahr 2023 berichteten Montagnards von Massenverhaftungen, Sicherheitssperren und gewaltsamen Verhören. Mehrere Personen gaben an, während der Verhöre geschlagen, mit Stromschlägen gequält oder mit unbekannten Substanzen injiziert worden zu sein.

Laut Bdap wurde er bei einer Festnahme im Jahr 2010 gefoltert; er berichtete von schweren Schlägen und Misshandlungen auf einer Polizeiwache. Seine Schilderung deckt sich mit den Mustern, über die Amnesty International seit mehr als einem Jahrzehnt berichtet, darunter Fälle, in denen Gefangene monatelang in winzigen Zellen eingesperrt, über längere Zeiträume angekettet oder mit verdorbenen Lebensmitteln und Wasser versorgt wurden.

Obwohl Vietnam das UN-Übereinkommen gegen Folter im Jahr 2015 ratifiziert hat, greift das Land weiterhin auf missbräuchliche Haftpraktiken zurück. Besonders betroffen sind Gewissensgefangene, politische Häftlinge sowie Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten.

Thailands Entscheidung, Bdap auszuliefern, verstößt zudem gegen dessen Verpflichtungen nach internationalem und nationalem Recht. Der Grundsatz der Nichtzurückweisung – der in der UN-Konvention gegen Folter verankert ist und sich auch im thailändischen Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Folter und gewaltsamem Verschwinden widerspiegelt – verbietet es strengstens, Personen in ein Land zu überstellen, in dem ihnen Folter droht. Trotz dieser Verpflichtungen hat Thailand kürzlich 40 uigurische Männer nach China abgeschoben und sie damit einem hohen Risiko schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt.

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/11/thailand-extradition-of-montagnard-activist-to-viet-nam-places-him-at-grave-risk-of-torture/

30. September 2026